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Schrazelloch

Schrazelloch

Hier eine österreichische Urbane Legende.

Als ich etwa 7 oder 8 Jahre alt war, machte ich eine "Exkursion" in unserem so genannten zweiten Keller und entdeckte hinter einem kleinen Kasten einen Hohlraum in der nicht gemauerten Wand. An sich war das nichts Besonderes, aber ich bemerkte Zugluft, die aus der ca. einen halben Meter breiten Öffnung kam. Ich fragte meine älteren Geschwister, ob sie etwas darüber wussten, und erfuhr folgendes:

Vor meiner Geburt hatten unsere Eltern im ca. 30m vom Haupthaus entfernten Werkzeugschuppen einen so genannten Luftschutzkeller für den 2. Weltkrieg gegraben, wie viele unserer Nachbarn damals auch. Diesen Keller kannte ich noch nicht. An der dem Haus zugewandten Mauer löste sich während der Grabungsarbeiten an einer Stelle plötzlich leicht die Erde und gab so einen kleinen Hohlraum frei. Man dachte sich aber nichts dabei und beließ die Wand so. wie sie war; man hatte damals andere Sorgen. Kurz vor Ende des 2. Weltkriegs trafen Bomben leider auch unser Haus und die Mauer fiel in sich zusammen.

Diese Mauer wurde bald wieder aufgebaut und zwar um einige Meter zur Straße hin versetzt. Das war auch der Grund, warum der zweite Keller gegraben wurde. Hier entdeckte man auch beim Graben ebenso wie unterm Werkzeugschuppen ein Loch in der Wand und die daraus strömende Zugluft.

Meine Eltern erinnerten sich gleich an das Loch im Luftschutzkeller und stellten fest, dass nun auch an diesem Loch Zugluft zu spüren war, die es vorher nicht gegeben hatte. Also war hier eine Verbindung vorhanden. Die Versuche, in den Gang hineinzukriechen, scheiterten an der Enge dieses "Schlauches" und man vergaß die Sache.

Jahrzehnte später fand ich im Internet eher zufällig Artikel über so genannte Schrazellöcher oder "Zwergenlöcher", mit Bildern dokumentiert.

Ich erinnerte mich jetzt schlagartig wieder an unser hauseigenes Schrazelloch, denn ich bin heute überzeugt davon, dass dieser Verbindungsgang eines war. Unser Haus steht zwar nicht mehr, aber das Loch ist wahrscheinlich noch da.

Bis heute ist es noch niemandem gelungen, eine auch nur halbwegs glaubhafte Erklärung über die Entstehung, Zweck und Alter dieser in ganz Mitteleuropa vorkommenden überdimensionalen Wurmlöcher abzugeben.

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