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Dreißigjähriger Krieg

Dreißigjähriger Krieg

Hier eine deutsche Sage.

Eine heute fast vergessene Überlieferung berichtet, dass während des Dreißigjährigen Krieges eine wehrlose Volksmenge zwischen Süchteln und Lobberich in schauriger Weise niedergemetzelt worden sei und die Toten in Haufen beieinandergelegen hätten. Wie durchweg alles Sagenhafte hat auch diese Geschichte einen wahren Kern. Freilich trug sich das Ereignis von dem hier die Rede sein soll, mehr als hundert Jahre früher zu, aber in ihrer freigestalteten Art verlegte es die Volkspoesie in die bewegte Zeit des Dreißigjährigen Krieges, bis es allmählich immer mehr in Vergessenheit geriet.

Durch die Erfindung der Feuerwaffen erfuhr das Kriegswesen eine völlige Veränderung. Die schwer bepanzerten Ritterheere lösten sich auf und Söldner dienten jedem, der ihnen freund war und den entsprechenden Sold zahlte, konnten aber auch allen schaden, die ihnen nichts mehr nützten. Das war zumeist der Fall, wenn die Landsknechtsscharen am Ende eines Krieges kurzerhand entlassen wurden; denn niemand dachte damals daran, sie in Standquartieren zu vereinigen. In größerer und kleinerer Zahl zogen die arbeitslosen Söldner bald hierhin, bald dorthin und wurden schnell zu einer allgemeinen Plage, der die Landbevölkerung fast immer schutzlos ausgeliefert war, zumal sich gerne zu ihnen berufsmäßige Räuber, Wegelagerer und Strolche aller Art gesellten.

So war es im Frühjahr 1518, als eine brotlos gewordene Söldnergruppe von etwa 8.000 Mann, die unter dem Namen "Der schwarze Haufen" bekannt war und schon einige Jahre früher den Niederrhein beunruhigt hatte, vom Rhein her durch Hüls und Kempen sich nach der Maas hin wälzte. Da das Gerücht sich verbreitete, dass die Söldner planten, Jülich und Moers in ihre Gewalt zu bringen, bot Herzog Johann von Jülich-Kleve-Berg seinen Heerbann auf. Kurköln und Brabant schickten ihm Hilfstruppen. In der Karwoche begann das große Kesseltreiben. Am Gründonnerstag lagerte in Dülken der Junker von Rennenberg mit einer stattlichen Reiterabteilung, zu der sich aus nah und fern eine Anzahl Edelherren gesellte, als ginge es zu einer fröhlichen Jagd. Tags vorher war der Drost von Millen mit etlichen Reitern in Brüggen eingetroffen, übernachtete dort, um sich sodann den übrigen Kämpfern anzuschließen. Die dem jülichen Aufgebot beigegebenen Geschütze führte der Vogt von Dahlen.

Angesichts einer solchen Übermacht, baten die Landsknechte in einer demütigen Schrift den Herzog Johann, ihnen doch nichts zuleide zu tun; sie hätten seine Untertanen doch nur um ein Stück Brot geschädigt. Während man Verhandlungen pflog und den Söldnern freien Abzug zusicherte, wenn sie ihre Waffen auslieferten, nahm der jüliche Heerbann Aufstellung am Windberg in Süchteln, zwischen Dornbusch und Hagenbroich, erhielt aber bald den Befehl, nicht weiter vorzurücken. Am Ostermontag geschah dann das Unerhörte. In Reih und Glied zogen die Söldner den vereinigten Heeren entgegen, um ihre Waffen niederzulegen. Durch ein Missverständnis oder wie die Landsknechte nachher behaupteten, durch die Schuld des Grafen von Nassau oder auch, wie später Herzog Johann sich äußerte, "durch Gottes Willen", fielen die brabantischen Reiter über die ahnungslosen Söldner her und richteten unter ihnen ein fürchterliches Blutbad an, sodass nahezu 800 Mann umkamen. Der Rest flüchtete in Richtung Venlo.

Eine große Verlegenheit ob dieser würdelosen Tat mag sich der Führer bemächtigt haben. Herzog Johann ritt mit seinem Gefolge zur Landesburg Brüggen und blieb dort bis zum Donnerstag nach Ostern. Obgleich man die hohen Gäste reichlich bewirtete, wird niemand des "Roten Ostermontags" froh gewesen sein, wenigstens ist etwas ähnliches später nicht mehr vorgefallen.

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