Fandom


Russische Münze

Schilling

Hier eine alte Sage aus Russland.

In Königsberg (Kaliningrad) lebten zwölf Männer, die alle mit Vornamen Johannes hießen und gehört hatten, dass der Teufel Menschen mit diesem Vornamen nichts anhaben könne. Sie taten sich zusammen, um den Teufel zu beschwören, ihm von ihrer Armut zu erzählen und sich von ihm reich machen zu lassen. So gingen sie alle zusammen hinaus auf den Glappenberg, der jetzt der Rollberg heißt, zogen einen Kreis, stellten sich hinein und begannen den Teufel zu beschwören. Sie wünschten sich vornehmlich jeder einen Schilling, der stets Geld heckte, und glaubten, der Teufel bringe dreizehn Schillinge solchen Beschwörern dargetragen; einer davon gehöre ihm, und wer nun durch Los oder Unglück den Teufelsschilling empfange, dessen Seele verfalle beim Tode dem Teufel, die anderen aber wären frei. Da nun aber, so rechneten die Beschwörer, der Teufel keinem etwas anhaben könne, weil sie alle Johannes hießen, so sei keine Gefahr dabei, der Teufel müsse das Geld doch bringen und den Unglücksschilling für sich behalten, mit der Erlaubnis, sich selbst zu holen, wenn es ihm beliebe.

Es kam aber ganz anders. Der Teufel war nicht in freigiebiger, brutpfennigspendender Laune. Er erschien, führte lange Gespräche mit seinen Beschwörern, und diese in allerhand Sprachen, und verwirrte ihre Sinne so ganz und gar, dass vier von ihnen niederstürzten und ihren Geist aufgaben, vier andere wurden ganz irrsinnig, und die Übrigen rannten von dannen und gelobten zur Buße ihrer Freveltat eine Wallfahrt nach Sankt Jakob in Compostell.

Das ist geschehen zu Königsberg unter der Regierung des Hochmeisters Hans von Tieffen und wäre wohl nicht geschehen, wenn diesen zwölf Johannessen die alte thüringische Sage kund gewesen wäre von dem Frankenkönige, der ein Glücksschiff hatte, das alle Tage einmal die Welt umfuhr und darauf zwölf Schüler waren, die auch alle Johannes hießen, von denen aber nahm sich alle Jahre der Teufel einen, und den letzten ließ er auf den Petersberg bei Erfurt fallen, der zuvor der Berbersberg hieß. Auch da hatte der Name Johannes, der noch heutiges Tages in der deutschen Christenheit und vornehmlich auf dem Lande so allverbreitet ist, seine Schirmkraft gegen den Bösen nicht bewährt.

Nutzung von Community-Inhalten gemäß CC-BY-SA , sofern nicht anders angegeben.